Im folgenden sind die in Lactware implementierten Auswertungsmodelle beschrieben.
Freiburger-Modell: Zur Berechnung der individuellen anaeroben Schwelle ermittelt Lactware den Mittelwert aus den ersten zwei gemessenen Belastungswerten (Basislaktat) und beaufschlagt ihn mit 2,0 mmol/l.
Freies Freiburger-Modell: Wie das Freiburger-Modell - jedoch kann der Offset bei Abweichung von der Norm z.B. bei Glykogenverarmung eingestellt werden.
Mader-Modell: Die anaerobe Schwelle wird auf einen festen Wert von 4 mmol/l gelegt. Mader definierte die Schwelle wie folgt: „Der Bereich des Übergangs zwischen der rein aeroben zur partiell anaeroben, laktazid gedeckten muskulären Energiestoffwechselleistung wird als aerob-anaerobe Schwelle der Arbeitsmuskulatur unter den gegebenen Belastungsbedingungen bezeichnet. Dieser Bereich eignet sich zur Charakterisierung der Ausdauerleistungsfähigkeit, wenn man das Maximum der rein aerob abgedeckten energetischen Leistung mit dieser gleichsetzt. Die aerob-anaerobe Schwelle wird - wie bei allen biologischen Prozessen - nicht abrupt, sondern gleitend überschritten. Als Kriterium zur Erfassung der aerob-anaeroben Schwelle bei spiroergometrischen Untersuchungen kann der Anstieg des Laktats auf 4 mmol/l im peripheren Blut, z. B. bei stufenweiser Belastungssteigerung, gewertet werden." Der Schwellenwert von 4 mmol/l Laktat resultierte dabei aus der Beobachtung, dass die korrespondierenden Belastungen im Mittel über längere Zeit toleriert werden konnten und höhere Belastungen in der Regel einen kontinuierlichen Anstieg des Laktats zur Folge hatten.
Stegmann-Modell: Beim Erreichen der maximalen Ausbelastung (Abbruch) wird das Nachbelastungslaktat gemessen. Das Nachbelastungslaktat steigt zunächst weiter an und fällt dann ab. An dem Punkt bei dem Erholungslaktat und Abbruchslaktat gleich sind, wird eine Tangente an die Laktat-Zeit-Kurve angelegt. Der Schnittpunkt kennzeichnet die IANS. Hierzu ist nach der Ausbelastung die Erfassung weiterer Laktatwerte notwendig, die im gleichen Messzyklus wie die eigentliche Aufnahme zu entnehmen sind.
Keul (1979): Das Winkelmodell nach Keul und Simon mit einem Tangentenwinkel von 45° für Radfahrer (tang. Alpha = 1) und 51° (tang. Alpha = 125 mmol/l/km/h) für Läufer. Die niedriger angesetzte anaerobe Schwelle für Radfahrer erklärt sich aus dem Umstand der niedrigeren Belastung und Herzfrequenz beim Radfahren, weil das Körpergewicht getragen wird. Die Laktatkurve wird durch einen Polynom 3. Grades dargestellt. Nachteil: Betrachtet man die Methode genauer, so erkennt man, dass aus der zeichnerischen Konstruktion fixe Werte resultieren. Die Forderung nach individuellen Ergebnissen wird nicht erfüllt.
Dickhut: Zum Basislaktat (niedrigster Wert in der Laktatkurve) wird ein fixer Zusatz von 0,5 mmol Laktat für die aerobe Schwelle und 1,5 mmol Laktat für die anaerobe Schwelle dazu addiert (beim Radsportler wie beim Läufer). Mit diesem Verfahren wurden im Hochleistungssport die besten Erfahrungen gemacht, da die Ergebnisse in die praktische Trainingssteuerung übertragbar sind.
Simon (1983): Das erste Ansteigen der Laktatkurve bei niedrigeren Belastungen kennzeichnet die aerobe Schwelle. Wird mit 1,5 mmol/l beaufschlagt erhält man die IANS. Dieses Konzept wird auch 1,5 mmol/l-Methode bezeichnet.
Simon (Schwimmer): Belastung des ersten Laktatanstiegs, aerobe Schwelle (AS) + 1,5 mmol/l
Kindermann: Aerobe Schwelle (AS) bei 2 mmol/l, Anaerobe Schwelle (ANS) bei 4 mmol/l
Freies Winkelmodel: Das freie Winkelmodell erlaubt die Vorgabe eines beliebigen Winkels bezüglich einer Leistungseinheit. Beispielsweise hat sich bei Laufbandmessungen ein Winkel von 45° bezüglich der Leistungseinheit km/h bewährt. Beachten Sie, dass i.A. für verschiedene Leistungseinheiten auch verschiedene Winkel für die Berechnung derselben individuellen anaeroben Schwelle gelten.
Dickhut-Simon: Die Dickhut-Simonschwelle setzt die individuelle anaerobe Schwelle (ähnlich wie beim Freiburger Modell) um einen bestimmten positiven Versatz (Laktatzuschlag) über den ersten Anstiegspunkt der Leistungslaktatkurve (Basislaktat). Dieser Versatz kann hier wie beim freien Freiburgmodell beliebig eingestellt werden.
Frei fixe Schwelle: Der Schwellenwert kann unter [Optionen] [Grundeinstellungen] global definiert werden.
Frei wählbare Schwelle: Der Schwellenwert kann für jeden Datensatz beliebig gewählt werden.